Über die Autorin
Buch

POESIE  
PROSA
ESSAY
Aus Wilde Heckenrose
Aus Tristan und Isolde
Aus Alte Lieder  
Aus Aus Tore, Fenster, Bögen
Aus Stanzen in der Weise von Alexander Pope
Aus Stelen und Inschriften
Aus Jamben
Aus Chinesische Reise
Aus Abendlied
Aus Elegien
Aus Anfang des Buches
Aus Alte Lieder
zur Erinnerung an die Großmutter
Darja Semjonowna Sedakowa

(1980-1981)
Zweite Heft
2. MARSCHLIED

Nach Frankreich schleppten sich zwei Grenadiere aus russischer
                                                                                        Gefangenschaft.
Mit Staub bedeckt sind ihre Uniformen, mit Staub bedeckt französisches
                                                                                                         Land.

Nicht wahr, das ist ein seltsam Ding? plötzlich setzt sich wie Staub
                                                                                         das Leben ab,
wie Schnee auf Wegen bei Smolensk,
                                                wie in arabischen Steppen der Sand –

und weithin sichtbar, weithin, am sichtbarsten des Himmels Weite.
„Was willst Du denn, Herr, was
                                            was erwartest Du, das Dein Sklave Dir reiche?“

Über allem, was wir wünschten, spaziert irgendeine Peitsche.
Hätt’ ich nur nicht hingeschaut. Hinschauen aber ist Befehl, so scheint es. –

Auch gut. Was passiert nicht alles auf der Erde, die hart und friedlich ist?
In welcher Höhe spielt nicht der Kometen Feuer, ist’s nicht schon Verhängnis?

Steh doch auf, alter Kamerad! Faulenzen geziemt nicht dem Soldaten.
Wir trinken auf die Treue bis zum Grab:
jenseits des Grab’s wird Treue nicht verraten.

Walter Thümler

4. BETEUERUNG

Und obwohl alle über dich lachen
und du niederliegst wie Lazarus,
liegst und schweigst vor dem Himmel –
auch so bist du nicht Lazarus.

Ach, wie gut, sich des Gartens
schwarzer Erde gleichzumachen,
dem bunten am Wege liegenden Staub,

dem Schrei eines kleinen Kindes,
das auf dem Feld vergessen wurde ...

und mehr wird von dir nicht verlangt.

Walter Thümler

8. DER SPIEGEL

Mein Liebster, ich weiß es selber nicht:
was wird das wohl bedeuten? –

ein Spieglein von der Größe
einer Linse oder eines
Hirsekorns dreht sich nebenan.

Was in ihm brennt, erratbar ist,
sieht, läßt sehen und verbrennt –
lieber gar nicht hinschauen:

Das Leben ist doch – etwas kleines:
es sammelt sich halt ganz
auf kleinem Finger, am Wimpernende, –
doch der Tod umgibt es wie das Meer.

Walter Thümler
Aus Erstes Heft
 Aus Zweites Heft
Alte Frauen
Aus Drittes Heft
Widmung
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