Über die Autorin
Buch

POESIE  
PROSA
ESSAY
Aus Wilde Heckenrose
Aus Alte Lieder
Aus Aus Tore, Fenster, Bögen
Aus Stanzen in der Weise von Alexander Pope
Aus Stelen und Inschriften
Aus Jamben
Aus Chinesische Reise
Aus Abendlied
Aus Elegien  
Aus Anfang des Buches
Aus Elegien
(1987-2004)
Die Musik
für Alexander Wustin
An den Luftkorridoren, wie man heute sagt,
                                        vor himmlischer Steppe,
wo alsbald halbentkörperte Salzklumpen vorbeischwimmen
und wie gewöhnlich allein umherirren auf der Herrlichkeit
des Erdkreises und
mancherlei Sprache entstellen,

in Erwartung eines unbekannten Etwas: nicht des Glücks, nicht der Qual,
nicht plötzlicher Transparenz des undurchsichtigen Seins,
treffe ich, aufmerksam wie ein Wachhund, die Wahl –
Töne oder nicht Töne:
Präludium zur Musik, zu der niemand sagen wird: mein..

Denn sie ist mehr als niemandes:
Musik ohne Tonart und Gestalt,
ohne Haus und Hof, ohne Taktstrich,
ohne fünf Linien, erfunden von Guido:
einzig Verschiebungen der Unzugänglichkeit und der Höhe.

Musik, Himmel des Mars, Stern uralter Schlacht,
wo wir sogleich und unwiderruflich besiegt vom
Nahen der bewaffneten Truppen der Ferne,
von Schlägen der Brandung,
von der Berührung mit der ersten Welle.

Um dich bat ich auf dem Berg Zion,
nicht denkend an die
Nächsten, Fernsten, an niemand, an nichts,
aufgrund des nichtklingenden Tones,
aufgrund des nichttönenden Klanges,
aufgrund der Allmacht,
aufgrund deines Allbegehrens.

Diese Stadt mitten in Europa,
                                          ihre Luftkorridore:
als wär es Budapest,
aber die prächtige Erscheinung
seiner Ufermauern und Türme werde ich nicht sehen, auch keinerlei Lust dazu haben,
auch keinerlei Bedauern. Dies ist eine Durchreise.
Musik, das ist eine Durchreise.

Das Blubbern der Lava im Schlund des tätigen Vulkans,
das Zirpen der Dorfgrille hinterm Ofen,
das Herz des Ozeans, das in des Ozeans Brust klopft;
solang es schlägt, Musik, sind wir am Leben,
                                                solang nicht ein Fleckchen

Erde dir gehört,
gibt es keinen Ruhm, keine Sicherheit, keinen Erfolg,
solang du wie Lazarus an fremden Toren liegst,
aber kann sich das Herz noch anschauen im Herzen wie das Echo im Echo,
im Ding, dem unsterblichen,
im Regenschauer, der wie Liebe, nicht endet.
Walter Thümler

Anmerkungen

Alexander Wustin: russischer Komponist, geboren 1943 in Moskau, wo er auch lebt. Ausbildung am Moskauer Konservatorium bei Wladimir Ferè. Ausgehend von seriellen Techniken, arbeitet er heute fast ausschließlich in intuitiven Formen der Komposition.

Guido: Guido von Arezzo (990-1050), erneuerte die Musiktheorie seiner Zeit und war wichtiger Beiträger zur heutigen konventionellen Notation. Er verbesserte das Notationsystem und erfand die „Solmization“.
Elegie des herbstlichen Wassers
Elegie des Feigenbaums
Erde
Anfang
 Die Musik
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