Buch

POESIE
PROSA
ESSAY
Über die Autorin
Olga Sedakowa ist als Dichterin, Essayistin, Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin und Intellektuelle eine der profiliertesten Stimmen in der russischen und europäischen Literatur. 1949 in Moskau geboren, begann sie schon als Kind zu schreiben. Bis in die späten 1980er Jahre hinein wurden ihre Texte in Russland kaum veröffentlicht. Sie zirkulierten als Abschriften im Samisdat oder wurden in Untergrund-Zeitschriften gedruckt. Ein erster Gedichtband mit dem Titel Tore. Fenster. Bögen erschien 1986 in Paris. Bis heute hat Olga Sedakowa über ein Dutzend Gedichtbände, Essaysammlungen und Reiseerzählungen veröffentlicht. Ihre Gedichte und Prosaarbeiten wurden in viele europäische und außereuropäische Sprachen übersetzt und von namhaften zeitgenössischen Komponisten vertont. Seit 2010 liegt eine – vorläufige – vierbändige Werkausgabe vor. Für ihr lyrisches und essayistisches Werk ist die Autorin mit zahlreichen renommierten Preisen und Ehrungen ausgezeichnet worden.

Für Olga Sedakowa selbst sind die äußeren Stationen ihres Lebenswegs weniger wichtig als die innere Perspektive auf die Welt. Diese bildete sie seit ihrer frühen Kindheit aus der Literatur. Heute zählen Dante, T. S. Eliot, Rainer Maria Rilke, Paul Valéry sowie Welimir Chlebnikow, Boris Pasternak, Anna Achmatowa oder Osip Mandelstam – um nur einige zu nennen – zu ihren ständigen Gesprächspartnern.

Während ihres Studiums an der Moskauer Universität in den 1970er Jahren kam Olga Sedakowa in Kontakt mit herausragenden Vertretern der intellektuellen Szene der spätsowjetischen Epoche – ein Austausch, der sie künstlerisch wie menschlich inspirierte und nachhaltig beeinflusste. Gelehrte wie der Byzantinist Sergej Awerinzew, der Semiotiker Jurij Lotman, der Altphilologe Michail Gasparow oder die Philosophen Wladimir Bibichin, Merab Mamardaschwili und Alexander Pjatigorskij standen für ein Verständnis von Wissenschaft, das offen war für Fragen der Ästhetik und der Moral, das sich nicht in Disziplinen verbarrikadierte und weit über die Grenzen der Hörsäle hinausstrahlte. Olga Sedakowa fühlt sich diesen Kreisen und ihrem Ethos bis heute verbunden. Eine Art Requiem auf diese geniale Epoche der russischen Geisteswissenschaft legte sie 1999 mit ihrer Erzählung Reise nach Tartu und zurück vor.

Seit den frühen 1970er Jahren war die junge Dichterin in den Kreisen der unabhängigen, sogenannten „Zweiten Kultur“ aktiv. Die Autorinnen und Autoren verbreiteten ihre Texte im Samisdat und trafen sich im privaten Raum zu Lesungen. Besondere Beziehungen pflegte die Moskauerin Sedakowa zum Leningrader underground, zu Dichtern wie Wiktor Kriwulin oder Jelena Schwarz.

Ihre eigene Lyrik ist so vielfältig wie die literarischen Reminiszenzen, die ihre Essays bereichern: Sie arbeitet in verschiedenen Formen und beherrscht das strenge metrische und strophische Register der klassischen russischen Lyrik genauso wie die freien Rhythmen von Avantgarde und Postavantgarde. Mit spielerischer Leichtigkeit lässt sie in ihren Texten scheinbar weit auseinander liegende Epochen und Kulturräume miteinander kommunizieren. Besonders wichtig sind ihr die anthropologische und vor allem die religiöse Dimension der Dichtung. Am wertvollsten ist die Sprache der Lyrik für sie dort, wo sie mit der Alltagssprache zusammenfällt, wo Wunder und Alltäglichkeit eine Verbindung eingehen. Ihre poetisches Credo und eine Art innere Autobiographie hat Olga Sedakowa mit dem Essay „Lob der Dichtung“ formuliert, der seit 2014 unter dem Titel In Praise of Poetry auch in englischer Übersetzung vorliegt.
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