Über die Autorin
Buch

POESIE  
PROSA
ESSAY
Aus Wilde Heckenrose
Aus Alte Lieder
Aus Aus Tore, Fenster, Bögen
Aus Stanzen in der Weise von Alexander Pope
Aus Stelen und Inschriften
Aus Jamben
Aus Chinesische Reise
Aus Abendlied
Aus Elegien  
Aus Anfang des Buches
Aus Elegien
(1987-2004)
Elegie des Feigenbaums
für Iwan Zhdanow
Jenen Baum, Wanja, jenen Feigenbaum
auf alter Buchgravüre, auf brüchigem Papier,
erkennst du ihn?
Die Blätter glänzen noch, die Zweige verschlucken den Raum,
aber die Zeit ist vergangen. Der Zorn gereift. Das Wort ist in der Kehle
                                                                                                     schon.

*

„Ärmste“, sag ich zu mir, „du erhieltest das Deine.
Nahmst kein Öl mit, Geduld im Verstand hattest du keine,
und ohne Fackel gehst du hinaus, ohne Fackel gehst du hinaus - Schande! -

*

zu Jenem, der uns weder Tag noch Stunde wissen ließ,
aber, daß der Himmel bedarf der Treue, die Leuchte - des Öls,
der Durst - der Frucht.
Der Rest kommt wie ein Dieb.

*

Nun, du kannst also nicht ins Haus der Hochzeit gehn, des Jubels Mitte ist
                                                                                                     versagt.
Und du verschüttest nicht, von böser Weissagung erstarrt,
das teure Öl, für das du hingabst

*

alles, was du hattest.
Und nicht begleitest du Ihn zur Qual,
fühlend, wie man aller Hoffnung und Hilfe die Achtung
des Sohnes vorzieht.
Und wie der Tod herankam,

*

nicht von innen, aber die Aufforderung erwartend:
                                                                           Es ist offen,
komm herein!
Und alles, was früher war: Bespuckungen, Schläge, Verspotten,
jenes, was die Fremden erhalten, der ungenähte Chiton.

*

Doch du wähltest, Wahnsinnige, zu leben. Es ist wahr, jeder wählt
zu leben und zu schauen ohne Ende - wie der Frühling kommt, die Vögel
                                                                                                     spielen,
sie ihre Jungen aufziehn, wie die Ähren glänzen, wie rauscht der steinige
                                                                                               Kedron ...“

*

„Ich bat, erinnerst du dich“, sprach Er: „was Ich gebe, ist eine andere Sache,
                                                                                     nicht eure Sache.
Ich bin krank - wer besucht mich?
Mich dürstet - wo ist der Becher?
Füchse haben Höhlen und Vögel Nester, Ich klopfe - wo ist mein Haus?“

*

. . . Mit Licht
oder ohne Licht sich entfernend; im Dunkel ist die närrische Jungfrau nicht
                                                                                        mehr zu sehen.
Ich seh im Innern, im Dunkel, vom herrlichen Zorn erschlagenen Baum,
und jenen, der sagen könnte: Ganz recht! seh ich nicht -

*

und wer von langem und unfruchtbarem Streben,
von falscher ermüdender Tat
fortläuft wie ein Verrückter:
                  fort aus dem freien Leben!
Egal wohin,
zuvor schlägt mit dem Wort: Wohin! der Stab -

*

Was sollen wir denn tun, Freund, was tun, Bruder, welch Art
Vergessen kommt? Oder ist es wie ein Fakir, der
unter zerrissenem Rock hervorzieht: Vogelschar, Smaragd, Brokat?
O, im Innern, wo es diese nicht gibt, sind sie mehr.
Erwartet man sie nicht, sind sie mehr noch als die Welt.

*

Wer bittet - wird einstmals empfangen.
Wer um Verzeihung bittet -
wird einstmals Verzeihung erlangen. Wer vor Scham nicht erhebt das Gesicht -
ist der Geliebteste von allen. Sein Herz wird umarmt vom Verlust,
wie man nach langer Trennung den Bräutigam oder den Vater umarmt.
Walter Thümler
Elegie des herbstlichen Wassers
 Elegie des Feigenbaums
Erde
Anfang
Die Musik
Zum Gedenken an den Dichter
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